Berufsbegleitendes Studium: Damit auf Anerkennung der Aufstieg folgt, muss zu Beginn das Ziel definiert werden

Prof. Dr. Angela Witt-Bartsch / FOM Hochschule

Über 42.500 Studierende zählt die FOM Hochschule mittlerweile und ist damit die größte private Hochschule Deutschlands. An 29 Hochschulzentren werden sie in Präsenzveranstaltungen in Bachelor- und Masterstudiengängen aus den Bereichen Wirtschaftswissenschaften und Ingenieurwesen vorbereitet – konzipiert als berufsbegleitendes Studium.

Mit der Doppelbelastung gehen zumeist hohe Erwartungen einher – auf beiden Seiten. Denn während die Studierenden die Karriereleiter weiter erklimmen und sich für Führungspositionen empfehlen möchten, sichern sich Unternehmen ihren Fachkräftebedarf und holen sich akademisches Wissen ins Haus.

Wenn also alles gut geht, dann hat nach einem Studium an der FOM der Mitarbeiter einen bessere Position und mehr Geld und das Unternehmen profitiert von seinem wissenschaftlich-analytisch fundiert erworbenen zusätzlichen Know-how.

Doch ein Automatismus ist das nicht. Denn nicht nur das Studium bedarf hohen Engagements. Auch in Sachen Eigen-PR sollte der Studierende klug vorgehen, damit sich der Kraftakt eines berufsbegleitenden Studiums lohnt.

Prof. Dr. Angela Witt-Bartsch lehrt an der FOM in München Schlüsselqualifikationen und Organisationsentwicklung und unterstützt zusätzlich die Absolventen dabei, ihre an der FOM erworbenen Qualifikationen dem Arbeitgeber richtig zu ‚verkaufen’.

Was genau rät sie ihnen? Dazu haben wir sie befragt:

management meetings: Frau Prof Dr. Witt-Bartsch, der Abschluss naht, die Erleichterung ist groß es geschafft zu haben. Wird in dem Moment ein wenig vergessen, dass jetzt noch eine ganz entscheidende Hürde kommt, nämlich die, das erworbenen Wissen nun auch in eine bessere Position umzumünzen?

Angela Witt-Bartsch: Es reicht schon lange nicht mehr aus, nur mit dem Abschluss-Zertifikat zu winken, um herausforderndere Aufgaben, mehr Verantwortungs- und Handlungsspielraum oder/und mehr Geld auf einem SiIbertablett serviert zu bekommen.

Damit sich das Bachelor- bzw. Masterstudium auch „auszahlt“, müssen nach meiner Erfahrung die Weichen schon sehr viel früher gestellt werden.
Dazu ist es besonders wichtig, die beruflichen Ziele, die man mit einem Studium erreichen will, von Anfang an klar zu definieren und auch im Unternehmen zu kommunizieren.
Gerne frage ich daher die Bachelor- und Master-Studenten in meinen Modulen: „Wozu studieren Sie?“ Die Antworten reichen dabei von „weiß ich noch nicht“, „mein Wissen erweitern“, „mehr Geld verdienen“, „künftig andere Aufgaben übernehmen“ bis hin zu „eine höhere Position erreichen“. Dabei haben die Master-Studierenden schon viel konkretere Vorstellungen von ihrer beruflichen Zukunft und dem, was sie mit dem erfolgreichen Abschluss erreichen wollen. Ihnen ist nach dem Bachelor-Abschluss meistens auch sehr schnell klar geworden, dass dieser nicht ausreichend ist, um in ihrem Unternehmen auf der Karriereleiter ganz weit nach oben zu kommen. Deshalb nutzen einige auch die Gespräche mit ihren Vorgesetzen oder Mentoren um ihre beruflichen Ziele rechtzeitig zu kommunizieren.

management meetings: Wie kann der Studierende bereits schon vorher für sich und sein erweitertes Wissen beim Arbeitgeber werben?

Angela Witt-Bartsch: Dafür hat er bereits während des Studiums jede Menge Gelegenheiten. Zum einen kann er Methoden und Techniken aus den Vorlesungen ausprobieren und in seinen Arbeitsalltag integrieren. So wenden viele Studierende die Methoden, die sie in den Vorlesungen Zeitmanagement und Selbstorganisation gelernt haben – beispielsweise den strukturierten Tagesplan oder die sog. Pomodoro-Technik – in ihrem Arbeitsalltag an.

Zusätzlich gibt es Prüfungsleistungen, wie beispielsweise kleine und große Seminararbeiten, Präsentationen, Student Consulting Projekte und vieles mehr. Wer hier schon frühzeitig im Unternehmen Augen und Ohren offen hält, wählt für seine Prüfungsleistung ein Thema aus, das für seine persönliche Weiterentwicklung im Unternehmen förderlich und für seinen Arbeitgeber von Nutzen ist.

Ich erinnere mich noch gute an den Studenten, der nach dem Zeigen einer Infografik bei seiner Chefin, die er im Rahmen seiner Prüfungsleistung bei mir erstellt hat, den Auftrag erhielt, das künftig auch für das Unternehmens zu machen.

Die Abschlussarbeit ist vom Umfang her auch noch einmal sehr gut geeignet, um ein Thema sowohl theoretisch als auch praktisch so zu bearbeiten, dass es nicht nur für den Studierenden interessant ist, sondern auch seinem Arbeitgeber einen Mehrwert bringt. Mit einer cleveren Themenwahl kann sich der Studierende durchaus für eine neue spannende Aufgabenstellung bei seinem jetzigen Chef empfehlen oder für eine neue Position im Unternehmen auf Personal- bzw. Geschäftsführungsebene sichtbar werden. Mir fällt dazu das Beispiel einer Studierenden ein, die ein neues Personalentwicklungskonzept in ihrer Abschlussarbeit entwickelt hat und dieses anschließend in ihrer neuen Position im Unternehmen auch umsetzen durfte.

management meetings: Wie erhält der Absolvent nach erfolgreichem Studienabschluss einen seiner neuen Qualifikation entsprechenden Arbeits- und Verantwortungsbereich bei seinem Arbeitgeber?

Angela Witt-Bartsch: Dafür gibt es kein Patentrezept, aber ich gebe gerne folgenden Tipp: Wenn vielleicht schon während Ihres Studiums eine für Sie attraktive Aufgabe angeboten oder herausfor­dernde Position im Unternehmen ausgeschrieben wird, dann bitte nicht zögern, sondern auf jeden Fall darauf bewerben, auch wenn Sie noch nicht alle Voraussetzungen, wie z.B. einen erfolgreichen Bachelor- oder Master-Abschluss, zu 100 Prozent erfüllen. Selbst wenn es im ersten Schritt noch nicht klappen sollte, ist jetzt sowohl bei Ihrem Chef und/oder der Personalabteilung sowie auch an anderen Stellen im Unternehmen bekannt, dass Sie Interesse an neuen Aufgaben haben.

Sehen Sie im bisherigen Arbeitsumfeld keine Weiterentwicklungsmöglichkeiten, dann schauen Sie doch über den Tellerrand. Überlegen Sie, was sie zukünftig gerne machen wollen und in welchem Arbeitsgebiet Ihre neu erworbenen Kenntnisse am nutzbringendsten eingesetzt werden können. Beschäftigen Sie sich intensiv mit der Aufbauorganisation Ihres Unternehmens und den einzelnen Verantwortungsbe­rei­chen. Haben Sie etwas gefunden, wo Sie sich vorstellen können, zukünftig zu arbei­ten, dann werden Sie aktiv! Schauen Sie, wer aus Ihrem Unternehmens-Netzwerk dort arbeitet oder suchen Sie direkt den Kontakt mit dem zuständigen Chef.

management meetings: Was empfehlen Sie den Arbeitgebern – wie können diese bestmöglich vom Engagement des Mitarbeiters profitieren?

Angela Witt-Bartsch: Ein Studium neben dem Job ist kein Zuckerschlecken und ich habe einen Heidenrespekt vor unseren Studierenden, die das über viele Semester auf sich nehmen, um sich persönlich und beruflich weiterzuentwickeln.

Nicht vergessen werden darf, dass ein Studium neben dem Beruf auch eine Investi­tion des Arbeitgebers in seinen Mitarbeiter bedeutet. Zum Beispiel wenn er sich an der Finanzierung des Studiums beteiligt, freie Zeiten für die Vorbereitung auf Prüfungen gibt oder auch bereit ist, bei unternehmensspezifischen Studienarbeiten zu unterstützen.

In den letzten Jahren habe ich leider viel zu wenige Beispiele von den Studierenden gehört, wie Arbeitgeber das neu erworbene Wissen für das Unternehmen nutzbar machen. Das reicht von der Vorstellung von Methoden zum Umgang mit Stress im Rahmen des wöchentlichen JourFix der Abteilung, über die Einführung einer Checkliste zur Ver­hand­lungsvorbereitung bis hin zum Aufsetzen eines Change-Projektes zur strate­gischen Neuausrichtung eines Unternehmens­bereiches.

Das sind nur drei Beispiele von vielen. Doch ich bin überzeugt davon, dass viele Arbeit­geber nicht annähernd die Möglichkeiten ausschöpfen, um das neue Wissen ihrer studie­renden Mitarbeiter nutzbringend für das Unternehmen einzusetzen.

Daher mein dringender Apell: Machen Sie den ersten Schritt! Interessieren Sie sich dafür, welche Module Ihr Mitar­beiter im laufenden Semester belegt hat. Überlegen Sie gemeinsam, was davon für den bestehenden Aufgaben- und Verantwortungsbereich interessant ist. Lassen Sie Ihren studierenden Mitarbeiter Erlerntes ausprobieren. Nicht alles wird sofort funktio­nieren, sondern bedarf Anpassung an die Rahmenbedingungen in Ihrem Unter­neh­men. Aber am Ende werden beide Seiten profitieren –  ganz sicher.

 

Prof. Dr. Angela Witt-Bartsch,

Dozentin für Schlüsselqualifikationen und Organisationsentwicklung
an der FOM Hochschule München

 Angela Witt-Bartsch ist seit 1990 als Beraterin, Coach, Trainerin und Interim-Managerin in verschiedenen Führungspositionen tätig. Sie ist Gründerin des 3E-Netzwerkes und der 3E-Trainingsakademie. Mit Herz und Verstand unterstützt sie seit mehr als 25 Jahren erfolgreich UnternehmerInnen, Fach- und Führungskräfte zu Themen der Unternehmensstrategie, -führung, -organisation und -entwicklung.

Ihre Schwerpunktthemen sind: Arbeitsorganisation, Entwicklung und Umsetzung individueller und nachhaltiger Personalentwicklungsmaßnahmen.
Seit September 2013 ist sie Dozentin an der FOM und wurde im Mai 2015 zur Professorin berufen.

Darüber hinaus engagiert Sie sich unter anderem als Mentorin für die IHK und den Verband ‘Die Führungskräfte.’

Kontaktdaten:
Prof. Dr. Angela Witt-Bartsch
angela.witt-bartsch@fom.de

 

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