Teambuilding ist Kunst – oder: Die Kunst des Teambuildings

Gerade hat die 13. Documenta in Kassel begonnen – Zeit, sich auch bei management meetings mit dem Thema Kunst zu befassen …

In München treffen wir den Maler Götz Friedewald, der nebst seinem eigenen künstlerischen Schaffen, Kunst zum Zwecke des Teambuildings erfolgreich bei Unternehmen etabliert. Über sein Projekt FIRMEN Malen, sowie Kunst und Kunstverständnis im Allgemeinen lesen Sie das folgende Interview mit Götz Friedewald …

Götz, an Kunst kommt in diesen Tagen kaum jemand vorbei, denn die Documenta hat ihre Pforten geöffnet. Damit darf Kunst wieder ebenso sinnvoll wie sinnlos verstören und gleichzeitig gehypt werden. Welche Erfahrungen machst Du mit den Teilnehmern Deiner Teambuilding-Workshops, wenn es um den Kunstbegriff und die Schaffung von Kunst geht? 

Götz Friedewald: Das ist ein ganz schwieriges Thema. Der Kunstbegriff ist ja nun trotz zahlreicher Versuche noch nicht wirklich definiert. Der kunstinteressierte Laie stößt hier sehr schnell an die Grenzen seiner Vorstellungskraft. Speziell „moderne“ Kunst z.B. auf der Documenta ist für die meisten nicht greifbar. Erlernte Qualitätskriterien, also Mal- oder handwerkliche Techniken, lassen sich hier nicht anwenden – die Idee Kunst lässt sich schwer vermitteln.

Mit ihrer gewonnenen Freiheit haben sich Teilgebiete der Kunst im 20. Jahrhundert meines Erachtens von der Allgemeinheit entfernt und werden nur noch von sog. Fachkreisen angenommen und hier elitär gepflegt. Ich erlebe bei meinen Teilnehmern oft nur Unverständnis oder Desinteresse für „moderne“ Kunst.

mm: Was genau verbirgt sich hinter Deinem Konzept FIRMEN Malen?

Götz Friedewald: FIRMEN Malen ist Teambuilding und gleichzeitig kreativer Event. Es versucht auf eine besondere Weise, Arbeitsprozesse abzubilden und daraus – ohne Theorie und Lehrsätze -  unterschwellig neue Erkenntnisse zu generieren.

Auf spielerische Weise finden so das Team zusammen. Ganz nebenbei erkennt der Einzelne, dass seine Leistung für den Firmenerfolg unerlässlich ist. Ziel ist, die Kreativität der Mitarbeiter freizusetzen und die Motivation innerhalb des Teams zu erhöhen.

mm: Du hast viele Teams in den letzten fünf Jahren malen lassen. Welches ist Deine Herangehensweise an die Mitglieder einer Gruppe, von denen der überwiegende Teil das letzte Mal in der Schulzeit einen Pinsel in der Hand hatte?

Götz Friedewald: Da die Veranstaltung im Unternehmen geheim bleibt und bis auf den Organisator keiner davon weiß, ist die Überraschung natürlich sehr groß, dass man jetzt malen „muß“. So kann sich aber auch keiner davor drücken.

Durch eine erste Einführung versuche ich, die entstandene Anspannung etwas zu lockern. Ich erkläre die Malmaterialien und wie man damit umgeht. Zusätzlich definiere ich die einzige Regel für das Malen in diesem Rahmen. Diese Regel lautet: „Halten Sie sich an die Linien.“

Die Dynamik der Teams ist sehr unterschiedlich: Bei manchen Gruppen muss der Chef als erstes den Pinsel in die Hand nehmen, bevor sich die Kollegen trauen, bei anderen Gruppen haben die Teilnehmer schon den Kittel an, bevor ich mit der Einführung begonnen habe.

Eines ist aber bei alle Gruppen gleich: Nach kurzer Zeit sind alle nur noch mit dem Malen, und der Suche nach Anschlussbildern beschäftigt. Während der Veranstaltung stehe ich mit Tipps und Hilfe zur Verfügung. Besonderen schön ist aber zu beobachten, wie nach kurzer Zeit die Eigendynamik, der Spaß am Malen und die Stimmung im Team alle anfänglichen Hemmungen vergessen lassen.

mm: Was lernen die „Maler“ während des Malens?

Götz Friedewald: Als erstes erkennen die Teilnehmer wieder, wie viel Spaß das Malen macht, wie schön es ist mit Farben zu arbeiten und vor allem: zu gestalten.

Zum Zweiten kommunizieren sie hier auf einer Ebene, welche nichts mit dem Berufsalltag und der Position im Unternehmen zu tun hat. Führungsrollen werden aufgehoben und Kollegen, welche im Berufsalltag Spannungen aufgebaut haben, sehen sich in dieser Umgebung in einem neuen Licht.

mm: Welcher Erkenntnisgewinn steht am Ende des Projekts?

Götz Friedewald: Die Haupterkenntnis ist, dass jeder wichtig ist und dass ohne die Leistung aller Beteiligten kein Projekt funktionieren kann. Die Teilnehmer erfahren, dass sie ihre Individualität einbringen- und sehr frei arbeiten können, wenn sie sich an die definierten Regeln halten.

Sie sehen, dass sie einen Teilbereich bearbeiten und dass dadurch oftmals weder das komplexe Projekt noch die Wichtigkeit des eigenen Beitrags für dasselbe zu erkennen sind.

Es zeigt sich, dass ein wichtiger Teil der beruflichen Leistung auch und im Besonderen die Teamfähigkeit ist.

Und als eine besondere Erkenntnis: Ich bin wichtig für das Team, aber jeder meiner Kollegen hat den gleichen Stellenwert.

Durch das geschaffene Kunstwerk, welches idealerweise an prominenter Stelle im Unternehmen aufgehängt wird, werden die Teilnehmer unterbewusst immer wieder an die gewonnen Erkenntnisse erinnert.

Das Unternehmen hat ein Team mit einer guten Stimmung gewonnen und kann nach außen ein Unternehmen mit kreativen Mitarbeitern präsentieren, welche für den Kunden stimmige und homogenen Leistungen erbringt.

Für weitere Informationen zu FIRMEN malen unter http://www.firmenmalen.de/ und zum Maler Götz Friedewald unter http://www.friedewald.biz/

 

 

 

 

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